Es geht zurück ...

 

Sonntagmorgen, 6:11 Uhr, Hotel Adria, Bozen. Man könnte mir zugute halten, dass es nach griechischer Zeit immerhin schon kurz nach 7 ist, aber irgendwie kann auch das nicht darüber hinwegtäuschen: der Biorhythmus ist ein wenig ins trudeln geraden. Bozen ist eine wunderbare Stadt mit vielen Kneipen und Cafés, doch das konnte mich gestern Abend nicht locken. Die Anstrengungen der letzten Tage werden doch langsam spürbar. Das verrückte dabei ist: Normalerweise bin ich ein ziemlich unbrauchbarer und ostwestfälisch-muffeliger Zeitgenosse, wenn ich unausgeschlafen und platt bin, zuhause klingeln jetzt bestimmt bei einigen die Ohren, ist doch nicht schlimm, wird doch schon hell :-) Doch das ist gerade völlig anders. Und das hat natürlich sicher damit zu tun, dass man auf der so einer Fahrt tendenziell sehr fokussiert ist, man hat ja auch eine Art Mission. Aber - und jetzt wird es doch so langsam Zeit für persönliches - es liegt auch daran, dass ich die ganze Zeit mit zwei wunderbaren Menschen unterwegs sein durfte. Eine Woche mit Monte und Peter unterwegs sein, das ist schon etwas besonderes. Und das nicht nur, weil ich ja eigentlich gar nicht in ihrer Band bin :-D

Wir sind wohl drei Typen, die kaum unterschiedlicher sein können. Und doch haben wir uns nicht ein einziges Mal ernsthaft gestritten. Wir haben diskutiert, vor allem, wenn es darum ging, wo wir die Hilfsgüter verteilen und wen wir mit euren Spendengeldern unterstützen wollen. Doch da gab es eigentlich gar nicht viel zu diskutieren. Wir waren uns da immer schnell einig. Bestes Beispiel ist die Zuwendung für Soup & Socks im Camp Katsikas. Seit wir am Mittwoch in die Demo auf Autobahn geraten sind, gab es eine unausgesprochene Einigkeit, dass wir da unbedingt etwas machen müssen. Wir waren uns unserer Verantwortung bewusst und doch lag das nicht als schwere Last auf unseren Schultern, es war eine große Chance.

Wir haben viel geredet, unsere Eindrücke ausgetauscht, Bilder die wir in unseren Kopf hatten, miteinander geteilt. Und ich weiß, dass die beiden sich so manches Mal gefragt haben, woher der Herr Schoen, obwohl er täglich schon einen Riesenroman in den Blog geschrieben hat, eigentlich die ganzen Worte hernimmt, um in wirklich jeder Situation immer noch unermüdlich quasseln zu können. So ist das nun mal, ihr habt an alles gedacht, aber an Gaffa-Tape nicht. Ich fürchte, man hätte mir sonst zwischendurch mal den Mund zugeklebt ;-)

Es hat sich gut angefühlt, mit den beiden unterwegs zu sein. Und natürlich hatten wir auch Spaß und haben viel gelacht. Lachen hilft, das Gesehene besser zu verarbeiten. Natürlich haben wir in der kurzen Zeit nicht die großen Beziehungen zu einzelnen Flüchtlingen oder Helfern aufbauen können, aber die Zahl der Begegnungen war so unglaublich gut. Und wenn auch nur für einen kurzen Moment, sie waren sehr intensiv. Und so sitzen wir alle auf der Rückfahrt immer wieder da und verfolgen, was in Idomeni, Polykastro und Katsikas gerade passiert.

Natürlich haben wir in dieser Woche auch nicht unsere Daheimgebliebenen vergessen. Jeder braucht seine Momente, die Dinge auch mit den Lieben Zuhause auszutauschen. Und was wir auch mit immer größerem Erstaunen wahrgenommen haben ist, wie unfassbar stark ihr unsere Reise in unserem Blog, auf Facebook und in den Medien verfolgt habt. Eure Likes, Kommentare, Wünschen und Aufmunterungen haben uns erreicht und mitgetragen. Ihr sollt wissen, dass wir sehr dankbar dafür sind und es macht uns auch ein bisschen stolz. Klar, ein bisschen auch auf uns, vor allem aber auf unsere kleine Stadt, deren Menschen mit Spenden und Gedanken diese Fahrt möglich gemacht und getragen haben. Denn das war es wohl, eine Hilfe von Menschen für Menschen. Und das macht - bei allem Leid und aller Not, die wir gesehen haben - sehr viel Mut. Wenn der Mensch sich seiner Menschlichkeit bewusst bleibt, dann kann er viel erreichen. Wir dürfen nicht aufhören, daran zu glauben und auch nicht damit aufhören, unsere Gedanken in Taten umzusetzen. Denn was aus einer spontanen Idee - und da hänge ich Monte jetzt einfach mal einen Orden um, den er sicher nicht tragen wird - werden kann, wenn man hartnäckig ist und sich nicht davon abbringen lässt, das haben wir erleben dürfen.

Wir alle wissen im Moment nicht, wie es mit den Flüchtlingen in Griechenland weitergehen wird. Es muss eine echte Lösung geben, denn kein Mensch sollte unter dieses Bedingungen leben müssen. Die Politik ist hier gefordert und wir sollten unseren Politikern klar machen, dass immer und zwar wirklich immer der Mensch im Zentrum ihrer Entscheidungen stehen muss. Doch solange hier keine Entscheidung getroffen ist, können wir den Menschen helfen. Das gilt auch für die Zeit nach unserer Fahrt. Wir werden daher nach unserer Rückkehr die Organsisationen, die wir kennengelernt haben, auf unserer Website teilen. Wenn ihr wollt, dann dürft ihr sehr gern dort etwas tun. Ihr dürft sicher sein: Das Geld kommt direkt bei den Flüchtlingen an. Und es ist auch eine Anerkennung für die ehrenamtlichen Helfer vor Ort, die teilweise seit Wochen ihr Leben anderen Menschen gewidmet haben. Und wenn diese vielen, vor allem jungen Menschen in ihre Heimatländer zurückkehren, dann können wir alle uns nur wünschen, dass sie zu den zukünftigen Entscheidungsträgern gehören werden. Ich bin sicher, sie werden gute, menschliche Entscheidungen treffen.

Ein riesengroßer Dank geht natürlich an alle, die uns finanziell und mit Spendengütern unterstützt haben. Ich hoffe, wir haben eure Zuwendungen so eingesetzt, wie ihr euch das gewünscht habt. Danke!

Ach übrigens, liebes Windlicht-Team. Mit eurer Trinkgeldkasse seid ihr unsere Maut-Helden geworden! :-)

Ich könnte noch vieles schreiben, aber noch sind wir ja unterwegs. Eine persönliche Sache noch. Einige Wissen von meiner besonderen Zuneigung für Griechenland und die Menschen dort. Die Fahrt hat das nur noch verstärkt. Ein wunderbares Land mit wunderbaren gastfreundlichen Menschen. Dass dort gerade vieles nicht optimal läuft ändert daran auch nichts. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Land selbst ja bereits in einer schwierigen Situation ist und schwere Zeiten durchmacht. Doch die Menschen lassen sich davon nicht unterkriegen. Und auch wenn man ein Land liebt, wird man sich doch mal mit einem Polizisten anlegen dürfen. Ist schließlich auch ein Mensch :-)

Jetzt wird es aber Zeit, aus dem Zimmer höre ich bereits einen Fön.

Gleich gibt es Frühstück. Wir hätten gern ein gekochtes Ei. Weich.

Gruß aus Bozen

Andreas

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